Südtiroler Momente (2)

Manche Dinge entdeckt man erst im allerletzten Augenblick. Den Himmel zum Beispiel. Gerade eben noch war alles hell, jetzt ist es stockdunkel, und da oben sind plötzlich Sterne zu sehen: Zuerst zwei oder drei, dann zehn oder fünfzehn, siebzig oder achtzig, dreihundertvierzehn oder achthundertdreiundachtzig. Einzeln oder in kleinen Gruppen, als suchten sie die gegenseitige Nähe, als hätten sie sich allein gefühlt und deswegen schnell zusammen getan. Der Große Wagen ist zu sehen, Orion, und natürlich Venus, die alte Angeberin, die immer die hellste sein muss. Wenn man dann eine Weile abwartet, bis die Augen sich an die Schwärze der Nacht gewöhnt haben, kann man auch die Milchstraße ausmachen, ein – nun ja: milchiges Band, das sich quer über den Himmel erstreckt und der unendlichen Weite da oben noch einmal eine zusätzlich Dimension erfasst.

Da oben ist übrigens vielleicht drei Meter entfernt. Das Hotel Quelle Nature Spa Resort im Gsiesertal hat die Sterne vom Himmel geholt und an die Decken seiner Zimmer geklebt. Früher gab es ja mal diese phophorisierenden Klebesternchen, von denen man sich eine Handvoll übers Bett pappen konnte und die dann im Dunklen leuchteten. Hier kann man – wie auch immer sie das gemacht haben – den ganzen, weiten Nachthimmel sehen, sobald man das Licht ausgeschaltet hat. Manche Dinge entdeckt man erst im allerletzten Augenblick. Kurz bevor man einschläft.