Südtiroler Momente (3)

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Morgens um halb sieben kommt der Hubermoser-Alois. Auf seinem Traktor, mit dem Anhänger und den Apfelkisten. Er ist pünktlich, auf die Minute, der kleine Punkt erscheint links und bewegt sich allmählich nach rechts. Vermutlich wohnt der Hubermoser-Alois in Mals, sonst ist da links ja kein Ort. Seine Apfelbäume stehen rechts unten, nördlich von Laatsch, was ein bisschen komisch ist, weil man doch denken würde, so ein Vinschgauer Apfelbauer aus Mals, dessen Bäume stehen auch in Mals – und nicht drüben bei Laatsch, wo ja garantiert auch Apfelbauern wohnen. Haben die ihre Bäume dann bei Mals? Eher nicht. Dann würden jetzt ja auch kleine Punkte von rechts nach links fahren, in diesem Panorama, das sich vor den Fenstern des Hotel Watles in Primajur hoch oben über den Tal auftut. Ein Panorama wie ein Wimmelbild ist das. Nach dem Hubermoser-Alois geht es nämlich los, dann kommt plötzlich Bewegung ins Tal. Auf der Straße erscheinen die ersten Autos (die meisten fahren nach Süden, wahrscheinlich arbeiten viele hier in Bozen oder Meran), auf den Feldwegen die ersten Gassigeher und Wanderer und Mountainbiker.
Und der Hubermoser-Alois, von dem ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, ob er so heißt? Ist verschwunden. In seiner Apfelplantage. Wie jeden Morgen um zwanzig vor sieben. Wie lange er da drin bleibt? Keine Ahnung. Man bleibt ja nicht den ganzen Tag auf dem Balkon sitzen. Man will ja möglichst schnell auch ein Punkt in diesem Wimmelbild da unten werden.

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