Mit mir nicht! Heute: Sauna

 

Hitzegeplagt

So, nachdem wir jetzt alle philosophischen und soziokulturellen Aspekte des großen Menschheitsthema Sauna durch haben, zur Abwechslung mal was anderes: Mit mir nicht. Ich hasse das. Ich kann diese Schwärmerei noch nicht einmal nachvollziehen. Zwischen zerfließenden Fremden zu hocken und sich einer Temperatur auszusetzen, die der eines Hummerkochtopfs gefährlich nahe kommt: Warum machen Menschen so etwas?

Einmal war ich, im Winter. Es war traumatisch. Ich musste meine Brille absetzen, weil sie sonst geschmolzen wäre. Ich habe sechs Dioptrien, der Raum vor mir war eine vage Dunstlandschaft, Gottweißwer hätte da sitzen können. Es war so heiß, dass ich das Gefühl hatte, winzige, spitze Reissbrettstifte einzuatmen. Alles war verschwommen, die Menschen Schemen, der Ausgang undeutlich, und die Wände dieser Hölle schienen immer näher zu rücken. Keine fünf Minuten habe ich das ausgehalten, aber da war meine Brille schon nicht mehr in der Ablage draußen. Nur noch eine andere, die komplett anders aussah und eine komplett andere Stärke hatte. Wie kann das sein? Wie kann man so etwas verwechseln? Aus der Umkleidekabine kam jemand, der wie Reiner Calmund aussah und meine Brille trug. Er habe das gar nicht bemerkt, entschuldigte er sich, die Hitze möglicherweise, und ob das nicht toll sei, wie gereinigt man sich nach einem Saunagang fühle. Ich riss ihm meine Brille aus der Hand und gab ihm seine. Dann bin ich hinaus in die wunderbar kalte Winterluft. Und kehrte nimmermehr zurück.

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