Jazzy in N’orleans!

Man sagt das ja vielen Städten nach, aber wahrscheinlich wurde keine andere so sehr für die Nacht gemacht wie New Orleans, und ganz bestimmt hat keine andere einen so eigenen, intimen  Soundtrack. Zwischen 22:30 und 23 Uhr passiert hier überall das gleiche: Finger gelockert, Saiten gestimmt, Posaunen gewienert. Erwartung liegt in der Luft, ein Fiebern und jene unterschwellige Sexualität, die den Jazz umgibt, seit er vor einer Ewigkeit in diesen Straßenzügen erfunden wurde. Es ist ja nicht die Musik allein, die dem Jazz das Besondere verleiht, virtuose Künstler gibt es auch in anderen Sparten, und schöne Frauen und Männer mit 30.000-Dollar-Uhren sitzen auch anderswo im Publikum. Zum Jazz aber gehört immer auch das Unsichtbare, das ihn umgibt. Das Unausgesprochene, Unfertige, Allverheißende. Das Brennen im Herzen und die kleinen Schauer, die einem das Rückgrat hinauf spazieren. Und dass man manchmal glaubt, den nächsten Ton erahnen zu können, für den Bruchteil eines Moments, und dann folgt er tatsächlich. Manchmal ist Jazz etwas, das man nicht erklären kann. Manchmal ist Jazz Magie.
(In New Orleans, hört man immer wieder, sei er sogar die wahre Religion. Was ziemlich viel heißt in einer Stadt, in deren Gelben Seiten 718 Kirchen gelistet werden. Und die Voodoo-Stätten sind da noch nicht mitgezählt.)