Japandeutsch

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Japanische Schriftzeichen üben auf viele im Westen eine eigentümliche Faszination aus. Man weiß zwar eigentlich nie, zu welchem Wort sie sich da zusammensetzen und ob auf dem T-Shirt mit den hingetuschten Zeichen nicht möglicherweise so was wie „Achtung! Völlig bescheuerter Tourist!“ steht – Hauptsache, es sieht edel, schön und gut aus. Und natürlich wird auch gerne Einiges hinein philosophiert in die Ästhetik der Schrift. Von der Strenge des Zen wird dann geschwafelt und der inneren Ruhe der Buchstaben und ähnlicher Kokolores.
Und dann steht man in Tokio einem Geschäft für Bürobedarf und stellt fest: Die Faszination ist eine gegenseitige. In Japan nämlich scheint man nicht bloß das lateinische Alphabet zu mögen, sondern vor allem die deutsche Sprache – anders lässt sich nicht erklären, weshalb es komplette Kalender- und Notizbuchserien mit deutschen Aufdrucken gibt. Auf manchen stehen lediglich einzelne Worte ohne jeden Zusammenhang, „nähe“ zum Beispiel oder „garten“. Auf anderen gibt es Sätze, die im fernen Osten möglicherweise als Essenz der westlichen Weisheit begriffen werden. Na dann: „Bismuth. Requiem. Zücchini.“ „Aktivieren. Sie werden nicht erschreckt, um zu experiementieren.“

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