Der älteste Mensch der Welt

Es gibt ja Gegenden auf Gottes weiter Welt, in denen werden die Menschen älter als die Leute anderswo. Meist weiß man nicht so genau, woran das nun wirklich liegt, vielleicht an der Ernährung, vielleicht am Klima, vielleicht daran, dass die Menschen dort ein arbeitsreiches Leben an der frischen Luft führen und statt aufs Smartphone von ihrer Almhütte aus hinunter ins Tal schauen. Südtirol bringt für solche Alterrekorde natürlich alle Voraussetzungen mit, man spürt das ja praktisch schon, wenn man über den Brenner ist (bzw. über den Reschen) und sieht, wie Berg und Tal sich wunderbar harmonisch zusammen fügen, wie idyllisch die Höfe an den Hängen kleben und wie munter die Flüsse gen Tal rauschen.

Antonio Manfredi
Auch Antonio Manfredi hat wohl von all dem profitiert, und unbemerkt von Öffentlichkeit und Medien ist er in der gesunden Südtiroler Luft älter geworden als der älteste Mensch überhaupt. Sie haben ihm einen schlichten Gedenkstein gesetzt an der Promenade in Meran, an dem während der Saison täglich Tausende vorbeiflanieren und doch eher die Gelateria ein paar Schritte weiter im Blick haben als die Steintafel. Ach, hielten sie doch zumindest einen Moment inne! Würden sie doch kurz eines Menschenlebens gedenken, das so lange währte und so viel gesehen und erlebt haben muss! Als der kleine Antonio drei war und mit der Trommel um den Weihnachtsbaum lief, besiegten Wellington und Blücher Bonaparte bei Waterloo. Als Europas Kaiser abdankten, war er bereits um die hundert Jahre alt. Als er die erste Mondlandung im Fernsehen sah, schon 157.

2001 verstarb Manfredi. Die Meraner werden ihn nie vergessen.
(Der Bildhauer, der seine Gedenktafel gefertigt hat, bestimmt auch nicht.)