Speckringprobleme

Beignets 640

>> New Orleans ist aus vielerlei Gründen ein besonderer Ort. Die meisten Menschen denken bei der Stadt am Mississippi natürlich sofort an den Jazz, schließlich ist die wichtigste amerikanische Kulturform hier entstanden. Andere wiederum lieben die Stadt wegen ihrer Architektur. Dann gibt es natürlich die, die wegen der Schriftsteller nach New Orleans kommen, wegen Tennessee Williams und James Faulkner und Anne Rice. Und die Gourmet-Touristen. Die Foodies. Die reisen wegen des Essens an. Und der Restaurants. Ähnlich wie die Musik ist auch die Küche von New Orleans aus dem Verschmelzen verschiedener Kulturen hervorgegangen. Und ähnlich wie bei der Musik wird auch am Herd sehr auf Traditionen geachtet. Im French Quarter, dem ältesten Viertel der Stadt, gibt es Restaurants, deren Speisenkarte sich in den letzten hundert Jahren kaum verändert hat. Die meisten Gerichte zeichnen sich deshalb durch einen nahezu grotesken Kaloriengehalt aus und stehen immer wieder mal im Zentrum von Kampagnen, mit denen Organisationen wie die American Heart Association übergewichtigen Amerikanern einen gesunden Lebensstil näherbringen möchte. Was der Beliebtheit von frittiertem Wels, Crawfish Étouffée und Bananas Foster bislang aber überhaupt nicht geschadet hat. Weil frittierter Wels, Crawfish Étouffée und Bananas Foster in New Orleans nämlich schmecken, als habe der Küchengott einen seiner begabtesten Engel hinunter zu den gottesfürchtigen Menschen an den Mississippi geschickt und ihn beauftragt, die ganze Mannschaft, vom Sternekoch bis zur Imbissbudenbesitzerin, mit einem schier unglaublichen Talent auszustatten. Was der Engel dann auch prompt befolgte, überall probierte und seitdem wegen seines Speckrings aufpassen muss, dass er nicht durch die Wolke fällt. <<

(Der Text ist ein Auszug aus meinem Roman „Sonntags im Maskierten Waschbär“. Er spielt – auch – in New Orleans.)

 

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